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© Daniel Kempken
Letzte Änderung: September 2009
Schlaglicht Osterinsel - Rapa Nui, die Osterinsel

Eine Insel mit vier Bergen und im tiefen, weiten Meer... Und so bedeutet Rapa Nui auch „ein weiter Flecken“; die ganz traditionellen Einheimischen nennen die winzige Insel den „Nabel der Welt“. Am Ostermontag des Jahres 1772 hat der Holländer Jacob Roggeveen als erster Europäer dieses außergewöhnliche Inselchen erblickt und eingedenk des Feiertages Osterinsel genannt.

Osterinsel geheimnisvolle Moai
Auf den ersten Blick wirkt das fast 4000 Kilometer von der chilenischen Küste entfernte Eiland wie eine eigenartige Mischung aus der rauen Küste Schottlands und der Leichtigkeit der Südsee. Highlights sind - natürlich - die berühmten und geheimnisvollen Moai, mysteriös wie das Ungeheuer von Loch Ness, doch mit ihren stattlichen, bis zu zehn Metern Körpergröße sind die riesigen Standbilder fremdenverkehrsfreundlicher als das publikumsscheue schottische Fabelwesen. An die tausend gigantische Statuen, langsam verwitternde Zeugen einer im Malstrom der Weltgeschichte zerriebenen, rätselhaften Kultur. Sie wirken wie riesenhafte Götzen, doch nach allem was die Forschung weiß sind es Abbilder verstorbener Könige. Ab 2005 sollen die kränkelnden Standbilder mit Mitteln der UNESCO konserviert werden; die Berliner Firma Maar wird sie einer aufwendigen „Chemotherapie“ mit synthetischem Steinfestiger unterwerfen.

Die größten Statuen finden Sie im Südosten der Insel auf der zyklopischen Zeremonialplattform Ahu Tongariki – 15 Mann in Reih und Glied, fast wie eine Fußballmannschaft, komplett mit Trainer und Ersatzleuten. Die etwas kleineren Moai am Palmenstrand Anakena im Norden tragen Pukao, ihren traditionellen Steinhut. Sieben Statuen auf dem Ahu Akivi, im Landesinneren nicht weit von Hanga Roa, dem einzigen Inselstädtchen, repräsentieren die Söhne des ersten Inselherrschers Hotu Matua; und der Ko Te Riku an der Küste bei Hanga Roa hat stechende Augen aus weißer Koralle und roter Schlacke.

Im Südosten der Insel liegt Rano Raraku, der irreste Steinbruch der Welt. Wenn die Moai ordentlich auf ihren Podesten stehen, wirken sie fast ein wenig gestelzt, beindruckende Monumente, wie eigens fürs Freilichtmuseum geschaffen. Doch an den Flanken des Vulkans Rano Raraku liegen sie mit ihren bis zu fünf Meter hohen Köpfen einfach kreuz und quer in der Landschaft herum. Wie auf Befehl eines unbekannten Gottes wurde die Arbeit an ihnen eines schönen Tages unvermittelt eingestellt. Ein großes Geheimnis der Menschheitsgeschichte; doch die Aringa Ora, die „lebendigen Gesichter“ der Moai schweigen.

Ungefähr fünf Kilometer südlich von Hanga Roa liegt der vor langer Zeit erloschene Vulkan Rano Kau mit seiner dramatisch über dem Meer schwebenden Kultstätte Orongo. Hier spielen die fesselndsten Szenen der monumentalen Hollywoodproduktion „Rapa Nui“, Kevin Kostners Leinwandepos über den Untergang des Volkes der Langohren auf der Osterinsel.

Osterinsel Küste
Auch in der nicht minder spannenden Wirklichkeit hat genau an dieser Stelle bis 1876 alljährlich ein archaischer Wettbewerb zur Krönung des die Insel beherrschenden Vogelmanns stattgefunden. Ein kreisrunder Krater, auf dessen Grund (fast) alle Grüntöne dieser Erde schimmern, eine beängstigende Steilküste und drei im tiefblauen Pazifik schlafende Inselchen. Natur wie für die Kamera gemacht. Wer gut zu Fuss ist, kann sich dies alles von Hanga Roa aus erwandern (Auf- und Abstieg je zwei Stunden).

Bei einer Tour über die Insel ist es nicht falsch, etwas Proviant mitzunehmen. Außerhalb des Städtchens Hanga Roa gibt es nämlich keine Ansiedlungen, schon gar keine Gasthäuser.

Erwarten Sie nicht zu viel von den Hotels auf der Osterinsel. In aller Regel entspricht das Preis-Leistungsverhältnis kaum europäischen Vorstellungen. Auch die Restaurants sind vergleichsweise einfach und teuer. Kein Wunder, fast alle Produkte müssen mit den fünf Flugzeugen, die pro Woche ankommen, importiert werden. Doch die Beschaulichkeit, die mystische Ruhe der Insel und die Unvergleichlichkeit ihrer wissenden Statuen machen den Preisnachteil allemal wett.

Das Hotel Hanga Roa ist – obschon im Hochpreissegment – nicht für Menschen geeignet, die zu Depressionen neigen. In den 70er Jahren mit aus Miami herbeigeschafften Fertigbauteilen errichtet, präsentiert die Anlage heute mit Nonchalance den schimmeligen Lifestyle der ausgehenden DDR. Kakerlaken-verdächtige Teppichböden und eine Extraportion Moos auf den rostigen Wellblechdächern. Die neueren Bungalows sehen etwas besser aus.

Gehen Sie besser ins Hotel Iorana. Es ist sauber und ordentlich bis hin zum Rauchverbot in Zimmern, Bar und Speisesaal. Etwas südlich von Hanga Roa ruht es einmalig schön und erhaben auf der schwarzen, fast schottisch anmutenden Steilküste. Leider hat auch die Architektur dieses Hotels einen zarten Hauch von Wohncontainer. Spitze ist der in die Klippen hinein betonierte Pool. Bei hohem Seegang steigen tosende Fluten zwischen den Lavafelsen auf und schlagen über dem Pool zusammen. Ein Wellenbad mit Abenteuereffekt (Doppelzimmer 140 bis 210 US$).

Und ein richtig gutes Restaurant gibt es auf der Osterinsel auch. La Taverne du Pecheur. Der Inhaber sieht nicht nur aus wie ein französischer Gastwirt; er ist auch einer und kocht wahrhaft exquisit. Wie wäre es mit einer Languste in einer Curry-Sahne-Sauce? Oder gegrillter Thunfisch in Roquefortcreme? Das Leben ist doch auch auf einer Insel am Ende der Welt viel zu kurz um schlecht zu essen.

Mein Tipp für Rapa Nui by Night, das ist bei gutem Wetter und ein bisschen Gefühl für romantische Stimmungen der unvergleichlich schöne Sternenhimmel. Ein Firmament, so weit und klar, so leuchtend und mit so vielen tausend Himmelslichtern, wie ich sie noch nirgendwo auf der Welt gesehen habe.

Noch nicht in vielen Reiseführern erwähnt; und doch eins der besten Häuser am Platze: Hotel Manavai, auf der Te Pito Ote Hanua, der Straße vom Fischerhafen zur Kirche. Eine gepflegte Anlage in phantasievoller Naturbauweise inmitten eines tropisch wuchernden Gartens mit Pool und einem rustikalem Freiluftrestaurant (geschmackvoll eingerichtete Suiten knapp 100 US$, Doppelzimmer ca. 70 US$ – viel weniger zahlt man auf der Osterinsel auch für einfache Pensionen nicht). Drei Mal in der Woche wird im hauseigenen Kino auf einem Großbildschirm „Rapa Nui“ aufgeführt, der Hollywoodstreifen über die wechselvolle Geschichte der Insel und ihrer steinernen Herrscher.

Ein echt deutsches Kaffeehaus auf der Osterinsel? Auch das gibt es; sogar mit gutem Kaffee und Kuchen, mit Internet und einer wohl sortierten, kleinen Bibliothek: Café Ra´a auf der Atamu Tekena gleich beim Hauptplatz.

Rapa Nui, eine Insel für Pferdeliebhaber. Wer über das Eiland fährt oder es durchwandert, sieht bestimmt genauso viele Pferde wie es Einwohner gibt (ca. 4000).

Im Jahre 1968 gab es ein einziges Auto auf Rapa Nui, 1972 gab es vier; heute gibt es ganz viele Fahrzeuge auf der nur 25 Kilometer langen und halb so breiten Osterinsel; und der von der Regierung subventionierte Sprit kostet weniger als auf dem 4300 Kilometer langen chilenischen Festland. In seinem Buch „Zurück zu den Sternen – Argumente für das Unmögliche“ kommt Erich von Däniken im Jahre 1969 zu dem Schluss, dass allein die Außerirdischen die geheimnisvollen Statuen hinterlassen haben können. Der chilenische und der US-amerikanische Staat machen Ernst. Im Jahr 1987 wird der Flughafen der Osterinsel so riesig ausgebaut, dass auch Raumschiffe dort landen können. Freilich nicht für Dänikens Außerirdische, sondern für Notlandungen von amerikanischen Space Shuttles.

Osterinsel geheimnisvolle Moai
Gelobt werden die Holzskulpturen in der Kirche von Hanga Roa. Auf mich wirkten sie eher wie überdimensionales Kunstgewerbe aus einer polynesischen Version der Muppet-Show. Besonders originell ist der Heilige Geist mit Wohlstandsbauch und Aasfresserschnabel.

Das einfache und gemütliche Restaurant Avareipua direkt am Fischerhafen hat Wiener Schnitzel und sogar ein Kaiserschnitzel auf der Speisekarte. Kein Wunder, heißt doch der Wirt Hermann Fritsch und war früher einmal der Geschäftsführer des Rheinhotel Schulz in Unkel.

Wenn Sie Aktivurlauber sind, schaffen Sie die winzige Osterinsel locker in zwei Tagen. Lieben sie hingegen die Beschaulichkeit und das Mystische, nehmen Sie sich besser eine ganze Woche, oder zwei Wochen, oder drei... Je länger ich die Kraft und Ruhe ausstrahlenden Statuen angeschaut habe, desto weniger geheimnisvoll kamen sie mir vor; eher wie gute Freunde aus ewigem Stein. Schließlich fiel es mir schwer, mich von ihnen zu trennen.

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