| Schlaglicht Lanzarote (und La Graciosa) |
Highlights:
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![]() Die aus Feuer geborene Insel ist ein wahres Paradies fürs Auge und für Fotografen/innen – hier sind Farben noch Farben, Kompositionen wie aus dem Malkasten: Tiefschwarze Böden aus Vulkanasche, dazu ganze Ortschaften wie Orzola oder Arrieta, die fast nur aus hartweißen Häuser mit Frühlings-grünen Schlagläden bestehen. Ferrari-rote Blüten, dazwischen Palmen und Kakteen, die so frisch im Sonnenlicht glänzen als ob sie gerade dem azurblauen Meer entstiegen wären. Oder wie wär’s mit einem Hintergrund aus Dünen und Kratern, die mal beige, mal ocker, mal braun und mal violett unter einem Himmel schimmern, der himmelblauer nicht sein kann. Auf Lanzarote kommen Fotografie und naive Malerei sich ganz, ganz nahe, und das völlig ohne Fotoshop-Effekte von Microsoft. Dn der Bucht von El Golfo, gleich westlich von den Feuerbergen ist das Farbenspiel der Natur so krass, dass es sicher auch den Außerirdischen hier gefallen würde. Hinter dem pechschwarzen Strand haben künstlerisch veranlagte Algen eine giftgrüne Lagune in die eh schon bizarre Mondlandschaft gezaubert. Tipps: Man sollte es nicht für möglich halten. Dank einer ausgeklügelten Anbaumethode gedeihen prächtige Weintrauben in der kargen Vulkanerde. Dazu werden – schon seit dem 18. Jahrhundert - die Reben in eigens dafür ausgebuddelte Vertiefungen gesteckt. Jede einzelne Rebe hat ihr kuscheliges Separée und wird mit seinem eigenen Mäuerchen gegen den Wind geschützt. Mit dieser Formel entsteht nicht nur eine bizarre Landschaftskunst in schwarz und grün, aus den Trauben werden richtig gute Weine. Möglich macht das Ganze die nur scheinbar tote Vulkanasche. Sie entzieht der Luft die Feuchtigkeit und gibt den Lebenssaft an die Weinstöcke weiter. Zu bewundern ist die seltsame Anbaukunst in Gería südöstlich vom Nationalpark Timanfaya. Den leckeren Wein gibt’s in Lanzarote in jedem Supermarkt. Ein Besuch in der Hauptstadt Arrecife lohnt sich für Leute, die noch nie die Gelegenheit hatten, sich eine kleine, spanische Hafenstadt anzusehen. Als Extras gibt es zwei trutzige Mini-Festungen. Ansonsten ist das Ganze eher unspektakulär, allerdings in letzter Zeit ziemlich nett rausgeputzt.
![]() Eine Symphonie aus schwarz und weiß, aus Luxus und Kunst, Skulpturen und Heerscharen von tropischen Pflanzen: das von César Manrique gestaltete 5-Sterne-Vorzeige-Hotel Meliá Salinas in Costa Teguise. Das im selben Ort gelegene Hotel Teguise Playa ist eine Art kleiner Bruder vom Meliá Salinas. Nicht ganz so extravagant, nicht ganz so viele tropische Pflanzen, dafür aber auch längst nicht so hohe Preise. Das nette Restaurante Montmartre auf der Avenida de las Palmeras in Costa Teguise hat - wie das Moulin Rouge – eine Windmühle auf dem Dach und einen guten Koch.. Die weitläufige Cueva de los Verdes im Nordosten der Insel ist ganz schön groß, ein bildhübscher, effektvoll illuminierter Wandelgang ins Innere der Erde. Leider kann die Höhle nur zusammen mit einer Reiseleiterin und einer Horde von Touristen besichtigt werden. Der Zaubertrick mit dem verschwundenen See ist Spitze. Ganz in der Nähe schuf César Manrique sein beeindruckendstes Gesamtkunstwerk aus Natur, Vision und Ästhetik: Jameos del Agua. Er verwandelte zwei eingestürzte Krater, die den Leuten zuvor als Müllkippe gedient hatten, in eine kleine Märchenwelt. Da tummeln sich Albinokrebse in einem geheimnisvollen, unterirdischen Salzsee; in einem Ring tiefschwarzer Lavawände ruht ein weißer Pool, gleißend wie arktischer Gletscher, und dennoch leuchtet sein Wasser in tiefblauem Türkis – ein Fest fürs Auge und viel zu schön, als dass man darin schwimmen dürfte.
![]() Das schmucke Städtchen Haría liegt mit seinen (ungefähr) tausend Palmen und seinen weiß getünchten Häuschen wie eine Oase im Tal. Es hat Flair und strahlt eine ganz besondere Ruhe aus. Kein Wunder, dass César Manrique hier seinen Alterssitz genommen hat. In Haría ist er auch zur ewigen Ruh gebettet. Sein Grab mit einer Palme und einem großen Kaktus ist außergewöhnlich, geschmackvoll und doch bescheiden – ganz im Sinne des Künstlers, der auf dem Friedhof irgendwie fortlebt. La Caleta de Famara im Nordwesten der Insel ist wie eine Reise in die Vergangenheit, als die Hippies sich aufmachten und einsame Strände in warmen Gefilden entdeckten. Das urige Fischerdorf könnte auch irgendwo im Bilderbuch-Südamerika stehen; zwischen vom Meereswind gegerbten Häusern laden breite Sandpisten Hunde, Katzen und die übrig gebliebenen Hippies zum Streunen ein. Autos und kleine Boote stehen kreuz und quer in der Gegend herum. Ansonsten noch ein paar Pinten, ein paar Gästehäuser, Windsurfer und ein paar Künstler/innen, die sich hier gerne inspirieren lassen. Im Restaurant El Risco sitzt man auf einer schwarzen Klippe, an der sich die Wellen der rauen See brechen und hat einen wunderbaren Blick auf die Playa de Famara, einen der schönsten Sandstrände der Insel. Geheimtipps:
![]() Zum Nachlesen oder Nachmachen: In der Literatur macht man Liebe an den wildromantischen Papageienstränden in der Nähe von Playa Blanco. Siehe die ansonsten ziemliche traurige Reiseerzählung „Lanzarote“ des französischen Skandalautors Michel Houellebecq und die pfiffige Urlaubskomödie Last Minute Lanzarote von Sibylle Keller. Kuriositäten:
![]() Zwischen dem am östlichen Rand von Arrecife gelegenen Hochseehafen und der Meerwasserentsalzungsanlage dümpelt ein auf Grund gelaufener, vom Rost zerfressener Frachter in der nicht eigentlich sehr fotogenen Bucht. Doch so ein Schiffswrack, das ist dann schon ein originelles Motiv.
![]() Am Ortsausgang von Teguise bewacht ein zahnloser Künstler sein Kuriositätenkabinett: Mit dem „Museo Mara Mao“ hat der seltsame Mann eine Art Kinder-Sodom und Gomorra geschaffen, in dem Dutzende von hässlichen, OP-grünen Gestalten einen gruseligen Friedhof für Stofftiere, Puppen und Spielzeugautos bewachen. Zugabe: La Graciosa, die Anmutige:
![]() Im Hafenstädtchen Caleta del Sebo hat man im Zeichen der Gemeindeverschönerung ein paar Palmen aufgestellt. Ansonsten gibt es auf der ganzen Insel so gut wie keine Bäume. Man hat aber auch weitgehend auf Asphalt verzichtet. So blieb dem Ort sein ursprünglicher Charme, der mit einer himmlischen Ruhe einhergeht. In La Graciosa gehen die Uhren tatsächlich noch ein paar Takte langsamer. Es gibt Pensionen, kleine Restaurants und eine ziemlich kuriose Kapelle: Jesus ist in einem Fischerboot gekreuzigt, über dem Kruzifix schwebt ein Fangnetz, und aus Holz geschnitzte Fische helfen als Kerzenständer aus. Es wundert also überhaupt nicht, dass diese Kapelle der Meeresjungfrau gewidmet ist (Parroquía Nuestra Señora del Mar).
![]() Lanzarotes wilde Küste UUm das Inselchen zu erkunden, braucht man aber eigentlich gar kein Auto. Eine herrliche Wanderung führt am Hang des erloschenen Vulkans entlang, das Meer immer zur Rechten. Nach etwa anderthalb Stunden sind Sie in dem ehemaligen Fischernest San Pedro Barba, wo heutzutage gedrungene Ferienhäuschen mit Palmen und Kakteen wie eine kleine Oase den Wüstensand schmücken. Für den Rückweg empfehle ich, zur Abwechslung über einen schmaleren, aber gut passierbaren Weg direkt an der Küste entlang zu gehen und sich von hübschen Felsbuchten überraschen zu lassen. Wer einfach nur mal einen Blick auf La Graciosa werfen möchte, fahre zu dem spektakulären Aussichtspunkt Mirador del Río im Norden von Lanzarote, ein weiteres, unverwechselbares Werk von César Manrique. Mehr in meinem neuen Buch Schlaglichter Kanarische Inseln.
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